Die 20-Sätze- & 20-Zeilen-Challenge
Aufgrund eines Punktegleichstands gibt es nun 5 Texte, die es in die nächste Ausgabe geschafft haben! Wir gratulieren!
Beitrag Nr. 05 – Frühstück – RENATE SCHIANSKY
Beitrag Nr. 06 – Wintersonne – GABRIELE GRAUSGRUBER
Beitrag Nr. 07 – Der Kanadareiher – KARINA LECHMANN
Beitrag Nr. 11 – ROMAN SCAMONI
Beitrag Nr. 12 – Das letzte Blatt am Baum – BIRGIT INDRAK
Alle anderen wunderbaren Texte bleiben auf dieser Seite veröffentlicht.
Wir danken allen, die für ihren Lieblingstext abgestimmt haben. Unter jenen, die ihre E-Mail-Adresse hinterlassen haben, verlosen wir digitale „Schreib Was“-Ausgaben. Die Gewinner werden per E-Mail verständigt, sobald die Auslosung erfolgt ist.

Beitrag Nr. 01
KIM HITZEMANN
Sie sitzt im Gartenstuhl und es wirkt so, als hielte sie die Zeit fest oder die Zeit sie. Die Sonne im Hintergrund lacht und erweckt dadurch den Eindruck, als wüsste sie mehr als die Frau.
„Nicht mehr lang“, flüstert diese, und hebt bedächtig ihren Zeigefinger. Ihr Bauch ist wie ein Planet, rund, mysteriös und mit eigener Gravitation. In ihm schlägt eine unbekannte Zukunft dumpf gegen die Wand. Die Brille der Frau rutscht, ihre Gedanken auch. Das Holz ihres Stuhles knarzt, weit entfernt zwitschern ein paar Vögel und es scheint so, als würde alles geradezu höflich warten.
Die blonde Frau lächelt, weil Mut dadurch wie Gelassenheit aussieht.
„Hörst du das?“, fragt sie ins vermeintlich Leere, und ihre Stimme wird weich.
Zwischen Angst und Vorfreude liegt ein schmaler Steg. Sie versucht, auf ihm zu balancieren. Ihr Körper weiß mehr als ihr Kopf. Atemzüge, keine Termine.
Ein Bauchnabel, der buchstäblich zum Mittelpunkt der Welt wird. Die Zukunft stupst erneut von innen an und raunt: jetzt. Die Frau antwortet mit Ruhe, so gut sie kann. Ihr Herz macht Witze, um tapferer zu wirken, als es ist.
Melancholie gesellt sich dazu und nickt verständnisvoll. Hoffnung lehnt sich an, lächelt schief, bleibt. Und irgendwo da beginnt eine neue Geschichte, die zwei Leben lang andauern wird.

Beitrag Nr. 02
Aqua Alta
GABRIELE GRAUSGRUBER
Da stand Mario im Wasser am Markusplatz und blickte verzweifelt hoch zum Campanile. Ihm stand das Wasser nicht nur über den Gummistiefeln, sondern bis zum Hals. Was hatte er sich auch auf diese blödsinnige Wette mit seinen Freunden eingelassen! Elke war mit grimmigem Blick abgehauen und zurück nach Deutschland gefahren. Er wollte ihr alles erklären, aber sie hatte den Koffer gepackt und schlug die Tür zu, nachdem sie ihm vorher noch eine kräftige gescheuert hatte. Woher er nun das verzockte Geld nehmen sollte, war ihm ein absolutes Rätsel. Zu seinen Eltern konnte er nicht gehen, weil sie ihm eine Donnerpauke erster Sahne halten würden. Sollte er mit Arno sprechen und ihn um einen Vorschuss bitten? Mario brütete in tiefen Gedanken und hatte keinen Blick für das schöne Venedig und die herrlichen Bauten rund um den Markusplatz. Nachdem er keine Alternativen wusste, stapfte er durch das Hochwasser und machte sich auf zu Arno, seinem alten Freund. Der hörte sich sein Dilemma an und blickte schließlich kopfschüttelnd zu Mario. Er zog seine Schreibtischlade heraus und gab ihm die geforderte Geldsumme. Mario sah ihn überrascht an und fühlte Glückswölkchen in sich aufsteigen. Mit tausend Dankesworten und der Zusage, das Geld so rasch wie möglich zurückzugeben, verließ er seinen alten Kameraden. Mario rief Elke an und erzählte ihr von Arno und dem Geld. Am nächsten Tag war sie wieder bei ihm und fiel ihm um den Hals. Dass sie diejenige war, die seine Freunde zu der Wette animiert hatte, weil sie rasend eifersüchtig war, würde sie ihm sicher nie erzählen. Das Geld hatte sie von den Burschen zurückbekommen und gut in einem Schließfach verwahrt. Die Wette hatte sie gewonnen, doch war sie jetzt glücklicher? Mario watete zurück auf den Markusplatz und genau in dem Moment teilten sich plötzlich die Wolken und strahlender Sonnenschein überflutete die Lagune.

Beitrag Nr. 03
SUSANNE ULRIKE MARIA ALBRECHT
Wir dichten täglich neu die Zeit. Worte tanzen im Schattenlicht, ihre Bedeutung verliert sich nicht. In poetische Farben gekleidet malen die Schatten dein Bild. Schreiben verleiht Flügel. Entdecke die Poesie in dir. Tauche ein in die Welt der Fantasie, spüre den Zauber, so voller Harmonie. Zeilen tanzen, Sätze singen, Worte, die wie Blumen blühen! Buchstabenzauber, pure Harmonie! Ein Augenblick, der ewig bleibt, in sonntäglicher Ruhe, die Seele schreibt. Die Seiten flüstern leise, von längst vergangener Reise. In den Worten, still und klar, finden wir, was einst war. Lyrik ist die Momentaufnahme der Seele. Ein Schmetterling im Morgentraum, tanzt leicht im Sonnenlicht, ein Ballett am Himmelsraum, sein Walzer flüstert ein Gedicht. Worte aus Wolken gemacht, Gedanken, die der Himmel lacht. Silben splittern, Gedankenmacht. Salzige Funken im Satz, Hunger nach dem Wortesschatz. Illusionen weben. Die poetische Realität entsteht im Geiste. Mit Worten und Träumen, lass mich sein. Die Feder tanzt auf einem weißen Meer, ein kalter, leerer Raum, Worte tanzen, springen, fliehen.

Beitrag Nr. 04
O Padrinho
RALPH PURRUCKER
Er sitzt dort, als würde er nur lässig die Sonne Portugals genießen, doch in Wirklichkeit ist er ein stiller Dirigent. Man nennt ihn „O Padrinho“. Sein rotes Shirt leuchtet im Sonnenlicht, die dunkle Brille verbirgt einen Blick, der keine Widerrede duldet. Seit Generationen ist der Siegelring an seiner Hand der beständige Ausdruck für Macht innerhalb dieser Organisation mit eigener Moral. Das goldene Kreuz um den Hals dagegen mehr kulturelles Erbe als Wertverständnis. Tradition in einer ehrenwerten Familie. Die Kopfhörer um seinen Hals wirken gewöhnlich. Dabei sind sie die Verbindung zu seinen Getreuen. Mit einer lässigen Geste hebt er den Arm, als wolle er bloß die vorbeiziehenden Möwen grüßen, doch in Wirklichkeit weist er damit seinen Leuten den Weg. „Unsere Geschäfte laufen gut, also lasst uns großzügig sein“, raunt er leise ins Mikro. „Gebt acht auf die Konkurrenz, ihr wisst schon, was ich meine. Gonçalo ist mir noch einen Gefallen schuldig. Wir brauchen seine Unterstützung bei der Sache in Porto. Erinnert ihn höflich, aber mit Nachdruck daran. Und sagt Cristiano: Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Dann bringt mir meinen Bica." Unwissend über die Macht, die hier sitzt, ziehen hinter ihm der Tejo und vor ihm der Strom von Touristen vorbei. Meist lächelt er ihnen freundlich zu und grüßt mit einem kurzen Nicken. Er freut sich, wenn sie mit einer Tüte Souvenirs oder einer Handvoll Pastéis vorbeiziehen. Alles ist im Fluss, und an allem hat er seinen Anteil.

Beitrag Nr. 05
Frühstück
RENATE SCHIANSKY
Es ist Montag, 7.13 Uhr. Die Tassen Tina, Trude und Tamara sind frisch gespült. Kopfüber stehen sie auf dem Küchentisch. Endlich ist die Familie weg und der anstrengende Dienst beendet. Was war das doch wieder für ein Theater heute, schon in aller Herrgottsfrühe! Das Tablett mit der Aufschrift: „Der frühe Vogel kann mich mal!“ scheint ihnen da wie blanker Hohn. Tina war dem Vater zugeteilt, obwohl sie den Geschmack von Kaffee verabscheut. Trude musste hingegen mit dem Kakao des Jungen fertig werden. Der krümelt regelmäßig jeden Morgen zwei Kekse in seinen Drink. Trude ekelt sich jeden Tag wieder vor dem Gebräu. Noch jetzt graut ihr vor den klebrigen Spuren an ihrem feinen Rand. Tamara hat es heute ganz gut erwischt. Die Mutter trinkt nur Wasser. Eiskaltes Wasser allerdings! Tasse Tamara schüttelt sich bei der Erinnerung. Zum Glück ist sie bald danach heiß gespült worden! Nicht auszudenken, wenn sie sich vielleicht noch erkältet hätte! Nein, man hat es wirklich nicht leicht, als Frühstücksgeschirr bei dieser Familie! Allein Teelöffel Theodor freut sich auf den morgigen Tag. Er liebt das Tauchen in frisch gebrühtem Kaffee.

Renate Schiansky *1959 in Wien, 2 Kinder | war 20 Jahre lang Sachbearbeiterin der Rechtsfürsorge im Jugendamt | mag außer Bücher auch noch poetry slams, Fotokameras, Sprachen und alte Landkarten | hat Papier und Stift immer griffbereit | schreibt vorwiegend Kurzgeschichten, u. a. für Magazine und Anthologien, gerne auch im Dialekt | lebt mit Zwerghamster Nemesis in Wien und wäre am liebsten ständig auf Reisen

Beitrag Nr. 06
Wintersonne
GABRIELE GRAUSGRUBER
Ich saß am Schreibtisch im Wohnzimmer und attackierte meinen Laptop. Die Worte sprudelten aus mir und meine Finger wollten meine Gedanken überholen. Als ich den Text fertig hatte, blickte ich entspannt aus dem Fenster. Die Kälte des Winters hatte die Natur fest gefangen. Eisige Sturmböen fegten über das Land. Die Sonne hing wie ein riesiger glühender Ball über dem Horizont und gab mir das Gefühl, dass sie jeden Augenblick auf die Erde fallen könnte. Leichte Nebelfetzen schwebten durch die Luft. Ich musste an Cleo denken, die mir vor gefühlt ewiger Zeit geschrieben hatte, dass sie sich für längere Zeit in den sonnigen Süden verziehen wollte. Sie hasste diese Kälte. Leicht fröstelnd zog ich meine Stola enger um meine Schultern. Sollte ich das auch mal überlegen? Weg von eisigen Temperaturen und gefrierenden Böden? Der Gedanke an Sonne, Sand und Meer hatte schon was. Andererseits wollte ich gar nicht in irgendeinem heißen Land und bei Temperaturen über 30 Grad sitzen. Nein, das Wetter war genauso richtig. Zurzeit war mein Körper auf tiefgekühlt eingestellt. Der Teekessel pfiff und ich holte mir eine große Tasse heißen Tee. Ich lümmelte mich entspannt auf die Couch. Genüsslich blickte ich zum Fenster hinaus, dachte an Cleo und die grausliche Hitze, und war glücklich. Die fahle Sonne dankte mir, indem sie leicht errötete.

Gabriele Grausgruber, geb. 1957, verheiratet, wohnhaft in Gurten/OÖ, Schriftstellerin, Malerin |
Zwölf Kinderbücher sowie Bücher in Mundart und Hochdeutsch für Erwachsene wurden bereits veröffentlicht. 2023 Herausgabe des 1.Regional-Krimis „Stallblut“. Der 2. Regionalkrimi „Die Perchtenmaske“ ist soeben erschienen. Diverse Auszeichnungen und Veröffentlichungen in Anthologien und Medien. Anerkennungspreise 2011, 2012, 2022 beim Int. Kinder- u. Jugendwettbewerb in Schwanenstadt. Aufführung von Theaterkurzkrimis in Wien. Texte für Literaturprogramm bei Radio 889FM Kultur, Berlin und dem Freien Radio Innviertel. www.grausgruber-gaby.com

Beitrag Nr. 07
Der Kanadareiher
KARINA LECHMANN
Nun stehe ich hier, im kalten, unruhigen Meer. Allein bin ich mit meinen Zweifeln und Ängsten. Aber in mir ist ein Funke, der wartet und nicht erlischt. Er wartet auf den passenden Zeitpunkt, dass er mir mit seinem lodernden Feuer Wärme geben kann. Die Gischt der Wellen, die unter mir zerbrechen, wenn sie in die Nähe des flachen Strandes kommen, scheint wie mein Traum zu sein. Dieser kommt immer wieder mit geballter Kraft, bäumt sich auf und zischt, und zieht sich wieder zurück. Irgendwann, irgendwann schwappe ich drüber, scheinen die Wellen zu murmeln. Aber ich stehe hier und eigentlich gehört das doch zu meinem Traum. Endlich weg, endlich hier, endlich frei zu sein. Weg von dem bedrängenden Schwarm, der sagt, was du sollst, was du musst und was du nicht darfst. Eine Möwe fliegt über mir und erinnert mich mit ihrem klagenden Ruf: Wach auf. Das ist dein Leben, du schreibst jedes Kapitel neu und jede Seite gestaltest du. Schlage dein Lebensbuch nicht zu und lege es nicht achtlos weg, sondern schreibe jede Geschichte, jeden Moment auf. Nun gut, ich antworte ihr: „Ich will Neues erleben, neue Fische fangen, neue Länder besuchen.“ Dann mache ich ein paar kräftige Flügelschläge, um diese lästigen Gedanken wie kleines Ungeziefer loszuwerden. Meine Federn schwingen in der glitzernden Meeresbrise. Einmal, zweimal, dreimal. Ich hebe mich in die Lüfte, verliere den Boden unter den Füßen. Jetzt stimme ihr zu: Ich bin frei. Ich bin der Schriftsteller meines Lebens. Der Zeitpunkt ist jetzt.

Karina „Karenina" Lechmann wurde in Österreich in Leoben geboren und ist als Radiologietechnologin tätig. Sie ist eine stetige Reisende, wenn nicht auf der Landkarte, dann gerne im Kopf; so hat sie einen Ausgleich zu ihrem fordernden Beruf. Ihre Genres sind Belletristik, Erzählungen und Essays.

Beitrag Nr. 08
LYDIA RUCKENSTEINER
Die Szene auf dem Bild hat das Potenzial, einen normalen Alltag in ein kleines Abenteuer zu verwandeln. Ich sehe eine Feuerschale inmitten der Natur. In ihr liegen Holzscheite und irgendjemand hat bereits das Feuer entzündet. Die Flammen lodern, tanzen und geben der Fantasie Raum, Figuren und Gebilde in ihnen zu entdecken. Gleichzeitig will mein Verstand wissen, aus welchem Grund dieses Feuer entfacht wurde. Soll es wärmen oder ist es Teil eines Festes von mehreren Menschen? Könnte es ein Ritual darstellen, das wir hier gerade in kleinen Auszügen miterleben dürfen? Die Szene strahlt etwas Archaisches aus. Eine einsam und zurückgezogen lebende Person könnte dafür zuständig sein. Vielleicht hat ein Mensch das Bedürfnis, eine Transformation einzuleiten, durch die Altes gehen und Neues entstehen darf. Der Blick auf die Flammen löst in mir eine Vorstellung eines Wunsches nach Veränderung aus. Ein Feuer vermittelt Kraft, Macht und regt an, darüber nachzudenken, ob wir als Menschheit wirklich so viel Einfluss auf die Geschehnisse in der Natur haben, wie wir meistens glauben. Ein Moment des Gefühls von Kontrolle kann durch eine kleine Unaufmerksamkeit ganz schnell ins Gegenteil umschlagen. Im Handumdrehen kann der umliegende Wald ungewollt ein großes Feuer nähren. Ein unerwarteter Windstoß genügt, um die Szene aus dem Ruder laufen zu lassen. Die Funken scheinen aber bereit, sich dem Hüter oder der Hüterin dieses Feuers unterzuordnen und alles verläuft ganz offensichtlich in geplantem Rahmen. Ich höre das Knistern, ich rieche das Holz, ich spüre das Brennen des Rauches in meinen Augen. Ich finde mich plötzlich mitten im Bild wieder und fühle mich als Teil des Geschehens. Wieder spüre ich etwas in mir, das ich als Ursprünglichkeit bezeichnen möchte. Eingebettet in die Schöpfung und ihre Abläufe nimmt die Bedeutung und die Wichtigkeit (m)eines Lebens nun ganz andere Züge an und etwas in mir löst sich, um unbeschwert in den Tanz der Flammen einzustimmen.

Beitrag Nr. 09
SUSANNE WEISS
Dieser einmalige Moment umhüllt und erfüllt mich für ein paar Minuten in einer unerwarteten, befremdlichen, erträglichen, angenehmen Stille, im Einklang der Natur, die ich so ewig in meinem Herzen tragen kann. Der Herr sendet reichlich Strahlen der wärmenden Sonne in die Herzen derer, damit das Negative und Böse in ihnen umgewandelt wird in Erlösung, Frieden, Gutem und Freundschaft. Die Kraft der Sonne leuchtet durch die dichten Tannen, stark, zielgerichtet in dem Moment, so stark und zuversichtlich, so stark hält mich Gott in jeder Lebenslage. Ich zähle 15 wunderschöne, glänzende, elegante Sonnenstrahlen, und erkenne sie als 15 Wegweiser von Gott für meinen weiteren neuen Lebensweg, der im Umbruch ist. Positive Stimmung ist mein Name, positive mood is my Name, Lùmore positivo è il mio nome, mi nombre es estado de animo positivo. Nie ist das Leben eine gerade Linie, es wird nie vollkommen sein, es geht bergauf und bergab und genau da, in diesem Moment, erkenne ich die Hoffnung, die Heiterkeit, das Staunen und die Zuversicht. Du bist mit viel Liebe in mein Leben gekommen, leider ist diese Liebe nach einiger Zeit wieder zerronnen, habe zu weinen begonnen, wie konnte es so weit kommen, stellte mich zu den drei Tannen und ließ mich ansonnen, irgendwie hat die Liebe dann wieder begonnen. Dieser Augenblick zieht mich magisch an, er tut meiner Seele so gut, dabei wirbeln hundert schöne Worte im Kopf umher, was die Natur alles mit mir so tut. Fast unsichtbar kroch ein Mäuschen aus seinem Winterbau und schaute da kurz heraus, schnupperte in die kalte Luft hinein, ach, noch so kühl und frostig, stellte das Mäuschen fest, nach diesem Schnuppertest. Der helle Sonnenglanz ließ das Mäuschen auf eine lustige Wühl- und Entdeckungstour über die Wiese hoffen. Nein, brrr, da ist noch frostiger Reif, da werden meine Mäusepfötchen ganz steif. Doch die Neugier auf die schöne Natur verspricht Abenteuer pur. Schon lief das Mäuschen fröhlich über das frostige Gras und dabei die Gefahr vergaß. Da stand es schon, ein schlaues Kätzchen, ganz in Weiß, es tapste sanft und geduckt umher, sah das Mäuschen, der Hunger der Katze wurde immer mehr. Das Mäuschen lief völlig naiv unter die drei Tannen und fühlte sich dort sehr wohl, doch die Katze schlich sich langsam an! Auf einmal entdeckte das Mäuschen die Katze und fühlte sich sehr verloren, sein Bau war weit weg und spürte voller Gefahr, nun bin ich vielleicht des Kätzchens Speck. Auf einer der Tannen saß versteckt ein schöner Spatz, der pfiff so wunderschön, damit irritierte und verwirrte er so sehr die Katz’. Das Mäuschen, gar nicht dumm, bemerkte dies und lief hinter den Tannen herum, um zu warten, denn es will einen Fluchtplan starten. Der Spatz zwitscherte weiter, sehr heiter, die Katze noch unsicher, mit eingezogenem Genick, gab ihre Jagd auf und nahm so ihren Verlust in Kauf. Ein Aufatmen spürten Spatz und Mäuschen, der Vogel sang noch einmal in die Morgensonne hinein, ganz fein, das Mäuschen schnupperte sich gezielt nach dem sicheren Weg wieder in den Bau heim.

Beitrag Nr. 10
SIMONE AUSTERMANN
Blau und meliert,
ein Wollfaden windet sich.
Masche für Masche
entwickelt es sich.
Das Projekt hält sich selbst und
vier Maschenmarkierer.
Drin liegt das Restknäuel,
heraus ragt ein Täschchen.
Darin die Nadeln und Maßband und so.
Oben auf, ein Farbwechsel,
etwas Orange,
noch unvollendet.
Wartet auf fleißige Hände.
Das Projekt im Fokus,
macht nur kurz Pause.
(Vielleicht wars die Klingel?)
Unscharfe Tasten des Laptops darunter,
ein erleuchteter Bildschirm dahinter
Der Background ein gemütlicher Sitz
und ein weißer Schrank als Schemen.
Beitrag Nr. 11
ROMAN SCAMONI
„In Gewitternächten hört man sie noch immer:
König Serles’ Hunde, die bis in alle Ewigkeit jagen!
So wie auch diese Nacht. Blitz um Blitz, Donnerschlag um Donnerschlag.
Die wilde Meute jagt durch die Finsternis. Kannst du sie hören?
Ich schon. Seit Jahrhunderten wache ich über das Stubaital,
erstarrt in einem Sarkophag aus Granit.
Ich bin der König.
Verdammt auf alle Zeiten wegen meines Herzens aus Stein.
Seitdem beobachte ich eure Werke und Wege. Bis heute.
Ich sah, wie ihr die Schwachen mit Füßen tretet,
wie ihr wegschaut, wenn jemand am Boden liegt.
Eure Hunde beißen auf Befehl - wie damals.
Nur sind es heute Worte, Hass und Gleichgültigkeit.
Nichts hat sich geändert.
Wenn das Maß voll ist, bricht der Stein.
Dann komme ich zurück. Vielleicht nicht heute. Aber morgen. Oder irgendwann.
Meine Hunde jagen wieder an meiner Seite.
Sie freuen sich auf die Jagd.
So wie ich.
Seid gewarnt!"


Roman Scamoni aus Innsbruck liebt nicht nur Geschichten, er lebt sie. Mit „Ein inklusives Rallye-Abenteuer“ nahm er seine Leser mit auf eine Reise, die Grenzen überwindet – nach dem Motto: Inclusion beyond borders!
Weitere Kurzgeschichten, Essays über Barrierefreiheit und Blicke hinter die Kulissen unter rollingsohn.substack.com.

Beitrag Nr. 12
Das letzte Blatt am Baum
BIRGIT INDRAK
Tief steht das Licht zur Mittagszeit,
der Wald, er glänzt im Winterkleid.
Hoch oben auf dem letzten Ast,
ein gelbes Fleckchen runter lacht.
Die Tage sagen laut und klar,
gegangen ist die Blätterschar.
Das einst so prächtig bunte Laub,
am Boden liegt und sanft verstaubt.
Es ist gewiss, es ist vorüber,
das letzte Blatt am Baum ist über.
Es beugt sich nicht dem Zahn der Zeit,
verzögert still Vergänglichkeit.
Es hängt beständig an dem Ast,
verharrt im Sein und trägt die Last.
Das allerletzte Blatt am Baum,
es nimmt sich leise, frech den Raum.
Zu Sein, was stets lebendig war,
die Schönheit, die Natur, gebar.
Es zeigt mit leiser Heiterkeit,
Die Schönheit der Vergänglichkeit.
Launig Wanderpoesie von Birgit: Beim Wandern zwischen Gipfeln, Seen und Almen finde ich Geschichten. Ich schreibe liebend gern über die leisen Momente in der Natur. Stimmungen, Gedanken und Gefühle, die beim Wandern entstehen – und verwandle sie in kreative Sprachbilder.