Druckkostenzuschussverlage – oder Wie man Autoren das Geld aus der Tasche zieht

 

Anna Loyelle

 

(Textauszug)

 

 

Jeder Schreiberling kennt die Gefühlsmischung aus Wehmut und Stolz, wenn der Roman fertig geschrieben, lektoriert, korrigiert und bereit ist, in die große weite Welt der Verlage entlassen zu werden. Die nächsten Schritte werden eingeleitet: Verlage suchen, Anschreiben verfassen, Exposee, Pitch und Leseprobe verschicken. Danach folgt das Warten auf Antworten. Wenn man Glück hat, trudeln einige sogar irgendwann ein. Nervös, aber voller Vorfreude öffnet man die E-Mail – was folgt, ist bittere Enttäuschung. Anstatt der erhofften Zusage ist wieder nur eine allgemein gehaltene Absage von drei bis vier Sätzen eingetrudelt. Bei der Flut an Manuskripten, die täglich bei den Verlagen eintrifft, ist das verständlich, aber dennoch enttäuschend. Den Grund der Ablehnung ausführlich zu beschreiben, würde viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber, siehe da! Eines Tages trifft doch noch eine Zusage ein! Und was für eine! 

„Ihr Text hat uns sofort überzeugt.“

„Nach eingehender Prüfung sind wir zu der Entscheidung gekommen, dass Ihr Buch sehr gut in unser Pro-gramm passt.“

„Wir können uns eine Zusammenarbeit mit Ihnen sehr gut vorstellen.“

„In Ihren Worten liegt so viel Gefühl und Authentizität.“

„Wir haben auf Ihr Projekt gewartet!“

„Veröffentlichen Sie Ihr Buch bei uns und wir bringen es zusammen in den Handel.“ 

Die Nachricht strotzt nur so vor Lob. Endlich ist es geschafft! Man hat einen Verlag gefunden! Denkt man. Und das ist so beabsichtigt. Denn im Taumel der Euphorie zögert man nicht lange, ist auch nicht misstrauisch, dass nicht das gesamte Manuskript zur Ansicht angefordert wird und dass der Nachricht bereits ein Vertrag angehängt wurde.

 

Den vollständigen Artikel „Druckkostenzuschussverlage" von Anna Loyelle finden Sie in der Ausgabe Oktober 2019 - Art.Nr. 022019.


Trägt das Christkind Schuhe?

 

Anna Loyelle

 

(Textauszug)

 

Die Großmutter schloss das Buch und lächelte, als sie die gespannten Blicke ihrer drei Enkelkinder sah, die auf dem kuschligen Teppich saßen und sich am prasselnden Kaminfeuer wärmten. Der vertraute Geruch von Zimt und Weihrauch schwebte unsichtbar durch den Raum. Die Holzscheite im Kamin knisterten. Draußen fielen große Schneeflocken lautlos an den Fensterscheiben vorbei.

„Ein schönes Weihnachtsbuch hast du da für uns ausgesucht, Großmutter“, sagte die achtjährige Tina und wickelte eine Strähne ihres blonden Haares um den Finger.

„Aus diesem Buch hat mir schon meine Großmutter vorgelesen“, erwiderte Tinas Oma, worauf die blauen Augen des Mädchens riesig wurden. „Oh, so alt ist das Buch schon?“

Die Großmutter lachte und strich dem Kind zärtlich übers Haar. Da zupfte Georg, ihr jüngster Enkel, an ihrem Rocksaum und fragte mit ernster Miene: „Ist das Christkind barfuß?“ Die Großmutter nahm den Kleinen auf den Schoß und musterte ihn erstaunt. Seine braunen Augen strahlten vor Aufregung und Ungeduld. „Ich habe das Christkind noch nie dabei beobachtet, wenn es die Geschenke für die artigen Kinder unter den Baum legt. Deshalb weiß ich nicht, ob es barfuß ist.“ Susanne, die quirlige Fünfjährige, rutschte auf die Knie und klatschte in die Hände. Ihre Wangen färbten sich rot, als sie zu sprechen begann: „Ich schon. Ich habe es gesehen!“ Alle schauten das Mädchen mit offenem Mund an. „Du“, fragte Georg leise, „du hast es gesehen?“

Susanne nickte. Die Großmutter hob neugierig die Brauen und forderte Susanne auf: „Willst du uns nicht davon erzählen?“

 

Die Kurzgeschichte „Trägt das Christkind Schuhe?" von Anna Loyelle finden Sie in der Sonderausgabe Weihnachten 2019 - Art.Nr. W2019.


Zauber der Hoffnung

 

Anna Loyelle

 

(Textauszug)

 

Der Warteraum der Privatklinik war bis auf Rick und Simona leer. In einer Ecke stand ein Ficus Benjamin mit saftigen grünen Blättern und einem kräftigen Stamm. Vor dem Fenster hingen hellblaue Vorhänge. Bilder von lachenden Kindern schmückten die weiß gestrichenen Wände. Leise Musik spielte im Hinter-grund. Zeitschriften lagen auf einem Beistelltisch neben den bequemen Sesseln, doch keiner von beiden griff danach. Neben der Tür befand sich ein Schrank mit einer Kaffeemaschine und einer Schüssel Keksen, aber sie waren nicht imstande, sich davon zu nehmen. Ab und zu warfen sie sich stumme Blicke zu, in denen sie ihre Ängste gegenseitig wahrnahmen, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Als die Anspannung unerträglich wurde, erhob sich Simona und ging mit verschränkten Armen hin und her. Dabei nagte sie nervös an der Unterlippe. Ihre Hände zitterten, die Schatten unter ihren Augen zeugten von schlaflosen Nächten. »Es klappt diesmal, da bin ich sicher«, versuchte Rick sie zu beruhigen. Mit Tränen in den Augen sah sie ihn an. »Es hat die letzten beiden Male nicht geklappt. Warum sollte es diesmal klappen?« Er stand auf und nahm sie in die Arme. »Weil es unser letzter Versuch ist. Unsere letzte Hoffnung.« Simona schmiegte sich an seine Brust. Im Flur wurden Stimmen laut, gleich darauf öffnete sich die Tür des Wartezimmers. Die Arzthelferin steckte den Kopf herein. »Simona, Rick, Sie können kommen«, sagte sie mit einem freundlichen Lächeln.

 

Die Kurzgeschichte „Zauber der Hoffnung" von Anna Loyelle finden Sie in der Ausgabe Juli 2019 - Art.Nr. 012019.

 


Ein Hauch von Liebe bleibt

 

 Anna Loyelle

 

(Textauszug)

 

Courtneys Blick trübte sich. Adams Konturen verwischten. Erinnerungen verblassten wie Farben in der Sonne. Tränen der Freude verwandelten sich in Tränen der Trauer. Jedes Wort trieb den Schmerz tiefer in sie und durchbohrte ihr

Herz mit einem spitzen Pfahl. Adams Stimme drang so scharf wie die Schneide eines geschliffenen Messers in ihr Herz und doch weigerte sie sich, sie zu begreifen. Sie hielt den Glasrahmen mit seinem Foto so fest in ihren Händen, dass die Knöchel weiß hervortraten. Hartnäckig kämpften sich heiße Tränen unter ihren geschlossenen Lidern hervor und tropften auf das Bild, das einst in einem glücklichen Moment aufgenommen worden war.

Als sie bemerkte, dass er schwieg, stellte sie das Foto an seinen Platz zurück und drehte sich um. Er schwieg nicht nur, er hatte sogar das Zimmer verlassen. Und sie hatte es nicht einmal bemerkt, so sehr war sie im Treibsand ihrer Trauer und Wut versunken. Verzweifelte Blicke huschten durch den Raum und blieben an Dingen hängen, die sie bereits jetzt schon vermisste. Aber sie hatte keine Wahl. Es war vorbei. Seine Liebe zu ihr war erloschen, seine Gefühle für sie erkaltet. Sie musste gehen. Sie konnte nicht, sie wollte nicht, und doch blieb ihr keine andere Wahl.

Mit weichen Knien schritt sie durchs Zimmer. All die guten Erinnerungen an die gemeinsame Zeit nahm sie mit. Die schlechten Erinnerungen ließ sie hier. Sie warf noch einen letzten, kummervollen Blick zurück auf gemeinsame Jahre, glückliche Monate, euphorische Wochen und zeitlose Tage in Verbundenheit und Liebe mit ihm.

Niemand hatte sie vorbereitet auf das unerwartete Ende, das nur noch aus erdrückenden Stunden voller Einsamkeit bestand. Niemand hatte sie vorbereitet auf die Tiefe und Schärfe des Schmerzes. Niemand hatte sie gewarnt vor den seelischen Narben, die Worte hinterlassen konnten. Seine Worte. Von Bitterkeit erfüllt, trottete sie, den Koffer hinter sich herziehend, in die Küche. Da stand er, mit verschränkten Armen an den Kühlschrank gelehnt, und sah aus, als wäre er gerade von einem Südseeurlaub zurückgekommen - braungebrannt, athletisch, umwerfend. Sie holte tief Luft und schluckte den schweren Kloß hinunter, der seit geraumer Zeit in ihrer Kehle steckte und sie am Sprechen hinderte. Sein Anblick verursachte ihr Herzklopfen, immer noch.

 

Die Kurzgeschichte „Ein Hauch von Liebe bleibt" von Anna Loyelle finden Sie in der Ausgabe März 2019 - Art.Nr. M2019.

 


Ein guter Anfang findet sich manchmal schwer

 

 Anna Loyelle

 

(Textauszug)

 

Wie soll ich das beschreiben? Ich bekomme es nicht zu fassen! 

Da schwirrt eine Idee im Kopf herum, die sich nicht in Worte fassen und aufs Papier bannen lässt. Man sieht klare Bilder vor sich, die sich vernebeln, sobald man versucht, sie mit geschriebenen Worten zu schildern. Wie eine Wand, die plötzlich zwischen der Szene und dem Blatt Papier auftaucht. Was tun?

 

Langsam an das Ziel herantasten. 

Betrachten Sie das Bild aus der Entfernung und halten Sie alle Details fest, die Sie sehen. Über ihre Wichtigkeit oder Unbedeutendheit entscheiden Sie später. Sie werden merken - schenkt man dem gesamten Bild Aufmerksamkeit, fällt die Beschreibung leichter. Man arbeitet sich langsam auf das Ziel zu. Ziehen Sie z.B. eine einsame Hütte in einem Wald als Schauplatz für einen Roman in Betracht, konzentrieren Sie sich auch auf die unmittelbare Umgebung. 

 

Den vollständigen Artikel „Ein guter Anfang" von Anna Loyelle finden Sie in der Ausgabe März 2019 - Art.Nr. M2019.